Wie bei vielen Herausforderungen, denen Unternehmen begegnen, gibt es auch hierfür eine technische Lösung: ein sogenanntes PIM System (Produktinformations-Management-System). Ein PIM-System ist eine zentrale Software, die alle produktbezogenen Daten an einem Ort bündelt: Beschreibungen, technische Attribute, Bilder, Videos, Übersetzungen. Von dort aus werden sie strukturiert an alle Kanäle ausgespielt. Wer einmal damit gearbeitet hat, möchte die Tabellenkalkulationen nicht zurück.
Der Wandel: Weg von teuren Lizenzmodellen
Lange galt PIM als Werkzeug für Großkonzerne. Etablierte Anbieter verlangten fünfstellige Jahreslizenzgebühren – für kleine und mittlere Unternehmen schlicht unerschwinglich. Das hat sich geändert. Heute existieren leistungsfähige Open-Source-Lösungen, die denselben Funktionsumfang bieten, ohne dass monatlich Rechnungen eintreffen.
Kein Vendor Lock-in, keine einseitigen Preiserhöhungen, volle Kontrolle über die eigenen Daten – das ist der entscheidende Vorteil von Open-Source-PIM gegenüber proprietären Lösungen.
Der Trend hat handfeste Gründe. Erstens wächst die Datenkomplexität: Mehr Kanäle, mehr Märkte, mehr Varianten bedeuten mehr Pflegeaufwand. Zweitens hat die Open-Source-Community in den letzten Jahren enorm aufgeholt – hinter den großen Plattformen stehen heute Tausende Entwickler und aktive Nutzerforen. Drittens schätzen Unternehmen die Unabhängigkeit: kein Vendor Lock-in, keine einseitigen Preiserhöhungen, volle Kontrolle über die eigenen Daten.
Der faire Vergleich verlangt allerdings auch, die Kehrseite zu benennen. Open-Source-PIM erfordert mehr technisches Eigenengagement bei der Installation, dem Betrieb und den Updates. Wer kein IT-Team hat oder haben möchte, findet bei kommerziellen Anbietern weiterhin einen schlankeren Einstieg, zahlt dafür jedoch entsprechend.
Was ein PIM-System konkret leistet
Im Kern erledigt ein PIM-System vier Aufgaben. Es zentralisiert alle Produktdaten in einer einzigen Quelle – der sogenannten „Single Source of Truth“. Es strukturiert diese Daten in Kategorien und Attributen, etwa Farbe, Maße oder Material. Es verwaltet Assets wie Bilder und Dokumente direkt neben den Produktdaten. Und es exportiert alles kanalgerecht: als CSV für Amazon, als XML für den Webshop, als PDF-Daten für den Druckdienstleister.
Mit einem PIM pflegt der Mitarbeiter die deutsche Produktbeschreibung einmal, und das System übernimmt die Verteilung. Was früher Tage dauerte, geht in Stunden.
Die wichtigsten Open-Source-Lösungen im Überblick
AtroPIM ist eine moderne, quelloffene PIM-Lösung aus Deutschland mit vollständig API-zentriertem Design. Sie überzeugt durch ein hochgradig konfigurierbares Datenmodell, flexible Benutzerrollen und eine mobilfreundliche Oberfläche. Dank niedriger Gesamtbetriebskosten eignet sie sich sowohl für mittelständische Unternehmen als auch für Großunternehmen mit komplexen Datenaustauschanforderungen.
Pimcore geht über reines PIM hinaus und vereint Produktdatenverwaltung, MDM, DAM und CMS in einer einzigen Plattform. Die Lösung ist hochflexibel, bringt aber eine steile Lernkurve mit und erfordert bei der Einrichtung in der Regel den Einsatz erfahrener Entwickler. Für Unternehmen mit komplexen Anforderungen, die eine umfassende Gesamtlösung suchen, ist Pimcore dennoch erste Wahl.
Akeneo stammt aus Frankreich und legt seinen Schwerpunkt auf Product Experience Management. KI-gestützte Funktionen zur automatischen Datenanreicherung und eine wachsende Featureliste machen die Lösung attraktiv – allerdings ist das Datenmodell weniger flexibel, und komplexe Produktstrukturen stoßen schnell an Grenzen. Akeneo eignet sich am besten für kleine und mittelständische Unternehmen mit überschaubaren Anforderungen.
UnoPIM aus Indien richtet sich an kleine Unternehmen, die einen unkomplizierten Einstieg suchen. Die Oberfläche ist bewusst schlank und auch für nicht-technische Nutzer zugänglich. Mit grundlegender Import- und Exportfunktionalität sowie einer optionalen KI-Unterstützung bietet UnoPIM solide Basisfunktionen – wer jedoch mit dem Wachstum seines Unternehmens skalieren möchte, sollte die begrenzten Anpassungsmöglichkeiten einkalkulieren.
| Lösung | Einstiegshürde | Herkunft | Integrationsstärke | Skalierbarkeit |
|---|---|---|---|---|
| AtroPIM | Mittel | Deutschland | Sehr hoch | Hoch |
| Pimcore | Hoch | Österreich | Sehr hoch | Hoch |
| Akeneo | Mittel | Frankreich | Mittel | Mittel |
| UnoPIM | Niedrig | Indien | Gering | Gering |
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
Bevor Sie eine Plattform wählen, lohnt es sich, drei Fragen zu beantworten: Wie viele Produkte und Attribute verwalten Sie – heute und in zwei Jahren? Über welche Kanäle verkaufen oder kommunizieren Sie? Und welche technischen Ressourcen stehen intern zur Verfügung?
Die häufigsten Stolperfallen bei der Einführung sind nicht technischer Natur: Datenmigration ist aufwendiger als erwartet, interne Akzeptanz braucht Kommunikation – und ein PIM ist kein Projekt, sondern dauerhafter Betrieb.
Fazit: pragmatisch einsteigen, schrittweise wachsen
Open-Source-PIM ist längst kein Kompromiss mehr. Für viele Unternehmen ist es die pragmatischste Wahl: funktional ausgereift, kosteneffizient und ohne Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter. Der beste Einstieg ist eine lokale Demo-Installation – die meisten Plattformen bieten dafür fertige Pakete. Wer klein anfängt, die Community nutzt und die eigenen Datenprozesse Schritt für Schritt strukturiert, wird schnell merken: Produktdaten müssen keine Baustelle bleiben.
